Davor

Davor

Kennt ihr diesen Moment am Anfang einer Lesung?

Wenn noch alles dunkel ist, ungewiss. Wenn ihr noch nicht wisst,

ob das Publikum euch verstehen wird-vielleicht sind einige im Publikum, die euch noch nicht kennen. Wird es euch gelingen, sie neugierig zu machen?

Ich habe in diesen Momenten immer das Gefühl, niemanden im Publikum interessiert, was ich da mache. Ablehnung, Desinteresse-das sehe ich in den Gesichtern.

Ich fühle mich unsicher und frage mich, während ich lese: Was zur Hölle, mach ich eigentlich hier?

Gerade fühle ich mich so. Mein Buch ist veröffentlicht und nun stehe ich vor einem Publikum, das ich erst noch überzeugen muss. Marketing-Aktionen, Rezensionen, es ist noch so viel zu tun und ich stehe erst am Anfang. Noch kann ich nicht sagen, ob aus den gelangweilten, desinteressierten Menschen irgendwann Leser werden. Diese Phase ist nicht unbedingt schön. Viele Autoren hassen dieses „Davor“ so sehr, dass sie alles Andere-

das „Danach“ ablehnen, ohne es zu kennen. Das ist schade. Denn nach dieser unsicheren Phase wurde es immer besser-und irgendwann wollte ich gar nicht mehr aufhören zu lesen. Denn nach einer Weile konnte ich sehen, dass all meine negativen Eindrücke nicht real waren. Die Gespräche mit den Leuten nach der Lesung zeigten mir, dass meine Texte verstanden wurden. Natürlich habe ich auch negative Erfahrungen gemacht. Doch trotzdem hätte ich nie aufgehört zu lesen. Warum? Weil ich es einfach tun musste, weil ich es unabhängig von anderen Menschen tun wollte. Und das ist der Punkt: Ich halte das Davor aus, weil ich überzeugt bin von dem was ich tue-ob es Anderen gefällt oder nicht.

Wir kommen als Schreibende immer wieder an diesen Punkt: Wir fühlen uns, als redeten wir mit einer Wand. Wir bekommen keine Reaktion, keine Bestätigung, keine Ablehnung-Nichts. Stell dir vor du schreibst ein Buch und niemanden interessiert es. Ja, das ist beängstigend. Heute ist Sylvester und wir wissen nicht, was uns im nächsten Jahr erwartet. Wir Autoren und Kreative kennen diese Ungewissheit gut.

Wenn noch alles dunkel ist, braucht man mehr als nette Worte und Lob. Das kann niemals die einzige Motivation sein. Wir brauchen mehr-Vertrauen ins Ungewisse, Vertrauen, dass da noch was kommt, nach der Dunkelheit.

Und wir müssen all unsere Erwartungen und Träume vergessen, wenn wir schreiben. Es geht darum, die Freude an an dem was wir tun, wiederzufinden. eine Freude, die nicht abhängig von der Meinung Anderer ist.

Diese Kategorie heisst Schreibtipps. Mein Tipp für euch: Einfach weitermachen. Ignorieren, was ihr fühlt, was Andere sagen und denken. Das Davor aushalten und es zur Gegenwart machen: Lesen und schreiben, ohne daran zu denken, wie das wohl auf eure Leser wirken wird. Dann wird man euch wahrnehmen, wird das was ihr zu sagen habt, verstehen: Weil es nicht um euer Ego geht, sondern um eure Geschichte.

Ein wunderschönes, kreatives 2017, liebe Follower und Leser!

 

Identitaet

Identitaet

Vor ein paar Tagen hatte ich ein Gespraech mit einer Freundin. Es ging um mich und mein Buch. Um die Frage, was passiert, wenn sich niemand fuer das interessiert, was man tut.

Definierst du dich etwa ueber das Schreiben? fragte sie.

Natuerlich. Ueber was denn sonst? antwortete ich.

Diese Antwort schockierte meine Freundin. Und ich fragte mich ernsthaft-stimmt vielleicht etwas nicht mit mir? Mache ich mich nicht ungluecklich mit dieser Denkweise?

Ich habe daran gedacht, wie oft ich immer wieder in dieser Situation war, wie oft ich schon von Partnern, Familie, Freunden so angesehen wurde, mit diesem irritierten Blick. Wenn ich irgendwas schrieb und das wichtiger fand, als Partys, Pflichten, DVD-Abende. 😉

Wenn Menschen nicht verstehen was ich schreibe, nicht das geringste Interesse daran zeigen, kann ich mit ihnen keine Freundschaften oder Beziehungen aufbauen. Denn dann wissen sie nicht wer ich bin, wollen mich zu einer Person machen, die ich nicht bin.

Dieses Gefuehl der Hilflosigkeit, wenn man nicht wusste, wie man den Mitmenschen deutlich machen kann, dass es keineswegs ein Mangel an Mitgefuehl und Liebe ist, kein Desinteresse und keine Weltflucht, wenn das Abtauchen in diese Welt, die fuer mich ganz friedlich neben der anderen existiert, wichtig ist.

Schreiben ist fuer mich keine Therapie, kein Hobby. Es ist meine Arbeit. Und doch viel mehr. Es definiert mich, ist meine Ausdrucksform und meine Aufgabe. Wenn ich nicht schreiben kann, werde ich ungluecklich,wenn ich ungluecklich bin, holt mich das Schreiben wieder heraus. Und schreiben wird erst lebendig, wenn Andere daran teilhaben. Deshalb ist es immer  gefaehrlich, wenn man sich nicht bewusst macht, dass nicht jede/r daran teilhaben moechte und daraufhin mit dem Schreiben aufhoert.

Wir haben die Aufgabe, unsere Buecher zu schreiben und zu veroeffentlichen-doch was dann mit ihnen geschieht, haben wir nicht mehr in der Hand. Wir muessen sie loslassen. Und das ist der schwierigste Teil.

Die amerikanische RnB-Saengerin Banks sagte in einem Interview sinngemaeß, ihre Songs seien wie Babys, die sie nach der Veroeffentlichung weggeben muss.

So fuehlt es sich tatsaechlich an. Das was ich schreibe, ist Teil meiner Identitaet. Aber wenn ich zu sehr daran festhalte, wenn ich nicht zulassen kann, dass meine Kinder eigene Persoenlichkeiten entwickeln, zerstoere ich sie.

Deshalb ist es mir wichtig, mich auch außerhalb meines Autorendaseins zu definieren. Und auf diese Weise wieder Inspiration fuer mein neues Buch zu sammeln.

Kreative Taetigkeiten, Kunst, Literatur, Film und Musik-halten uns lebendig. Wenn ich kreativ bin, werde ich Teil dieser ganz urspruenglichen Kraft. Deshalb fuehle ich mich lebendig wenn ich schreibe. Niemals einsam-obwohl ich es physisch in diesem Moment bin. Egal ob das was wir tun ein Echo findet, egal ob es so viele Menschen erreicht, wie wir uns erhoffen, das bleibt.

Warum ein E-Book?

Warum ein E-Book?

„Gibt es dein Buch auch als richtiges Buch?“ Diese Frage höre ich seitdem mein Buch erschienen ist, ständig. Also dachte ich, es ist am besten, wenn ich mit einem etwas längeren Text antworte….

Ein richtiges Buch. Was ist das eigentlich? Es gibt Menschen, die verstehen unter einem richtigen Buch folgendes: Ein schöner Einband, dick, viele Seiten, kurz: Es soll schön aussehen, sich gut anfühlen, irgendwie. Man möchte es sich  stolz ins Bücherregal stellen.

Und der Inhalt? Tja, der..also, auch wichig, irgendwie. Aber eben erst so an zweiter Stelle.

Stimmt der Inhalt nicht, hat man ja das schöne Buch. Ich habe vor kurzem ein solches Buch gelesen: „City on Fire“ von Garth Risk Halberg. Und obwohl ich das Drumherum, die beigefügte Karte mit dem „Cast“, die Beschreibung, die Idee, die Tatsache, dass dieser Debutroman so durchdacht und konzeptuiert ist und so dick, dass man sehr lange daran liest, toll genug fand, um das Buch zu kaufen, hat es mich nicht überzeugt. Die Charaktere, die Story-Beides wirkte auf mich leblos, langweilig und konstruiert.

Ich bin so eine, die immer mehrere Bücher gleichzeitig liest und gern stundenlang im Antiquariat sitzt. Auch ich mag es, wenn ich Bücher umblättern kann, wenn ich Kaffeeflecken und Eselsohren im Buch habe, wenn ich Spuren in einem Buch finde, Zitate, Notizen. Doch das macht ein Buch für mich nicht zu einem Buch. Ein Buch ist ein richtiges Buch, wenn da ein Roman, Erzählung, Lyrik, Kurzgeschichten, etc…enthalten ist, der Name des Autors und ein gutes Titelbild. Lange fand ich E-Books ganz furchtbar. Freunde mussten mich überreden, Facebook beizutreten-tja und irgendwann wurde ich dann Smartphonesüchtig. 😉 Ich finde, das Internet bietet Schreibenden unheimlich viele Möglichkeiten. Ich finde es toll, mich mit anderen Kreativen vernetzen zu können, schnell von Projekten, Büchern, Kunstwerken und Filmen zu erfahren. E-Books kann ich mir bequem herunterladen und auch ohne E-Book-Reader auf meinem Handy lesen. Ich merke keinen Unterschied-es geht nur schneller. Ich lese Bücher auf die gleiche Weise, wie sonst im Buchladen. Immer noch entscheidet der Inhalt, ob ich einem Buch eine Chance gebe, oder nicht.

Für meinen ersten Roman habe ich mich dazu entschieden, alles selbst zu machen. Ich wollte keine Experten, die mir sagen, ob es denn ok ist, was ich tue. „Filme fahren“ handelt von Menschen, die teilweise verschiedenen Subkulturen angehören, „Filme fahren“ ist Punk.;-)

Und E-Books passen dazu: Weil man hier selbst entscheiden kann, wie das Buch aufgebaut ist, wie das Titelbild aussieht, welche Marketing-Strategien genutzt werden und wann das Buch erhältlich ist. Einzig und allein die Leser entscheiden, ob sie das Buch kaufen wollen, ob es ihnen gefällt. Es ist ein bisschen so, wie bei Bands, die ihre Songs auf Youtube oder einem Independent-Label veröffentlichen. Das schließt die Möglichkeit von einem Verlag entdeckt zu werden, nicht aus, im Gegenteil: Gerade wenn man selbst etwas macht und aktiv wird, macht man deutlich, dass man weiß was man will. So kann auch ein Verleger eher einschätzen, ob ein Autor zu seinem Verlag passen könnte.

Natürlich kann und werde ich mein Buch auch eines Tages als Taschenbuch drucken lassen.

Trotzdem hoffe ich, dass ich Leser finden werde, die sich für den Inhalt mehr interessieren, als für die Verpackung. Denn darum geht es, das ist der Grund warum ich schreibe: Ich will gute Geschichten erzählen. Und ich möchte ehrliche Reaktionen, ich möchte Menschen erreichen, die sich mein Buch kaufen, weil ihnen die Beschreibung, die Leseprobe und das Titelbild gefällt.

Auch ziemlich punkig ist der Preis: 4,99 € kann sich Jede/r leisten. 😉