Warum ein E-Book? Teil 2

In letzter Zeit beschäftige ich mich viel mit diesen Themen: Selfpublishing, E-Book vs. Verlagsbuch. Und ich bin überrascht, verwundert: Denn ich habe keine Strategie gehabt, wollte weder den deuschen Buchhandel schädigen, noch finde ich Verlage doof. Aber genau das wird „Selfpublishern“ unterstellt. Man könnte fast annehmen, Verlage würden mit weit geöffneten Armen auf all die Autoren warten, die sie kaltblütig verschmähen und aus purer Bosheit die Buchbranche zerstören. Die Realität sieht etwas anders aus….

Fast jeder Verlag den ich mir nach Fertigstellung meines Romans angeschaut habe, wollte keine „unverlangt eingesendeten Manuskripte“. Wer sich dennoch die Mühe machen will,  müsse sich auf eine lange Wartezeit gefasst machen. Man würde geradezu „überschwemmt von all den unverlangten Manuskripten“. Na,  verlangt wird ein Manukript offenbar nie. Und dann wundert man sich, dass die Autoren lieber die effektivere Variante der Selbstpublikation wählen? Echt jetzt?

Bei einem Verlag unterzukommen scheint Glückssache zu sein. Doch wer wartet schon gern auf das Glück? Wer hat die Zeit, das Geld und genug Selbsthass  zu Verfügung? Ich habe da eher Geschichten zu bieten. Und die möchte ich verkaufen.  Wenn Verlage ernsthaft an neuen Autoren interessiert sind, sollten sie das auch zeigen, ein bisschen zumindest. Über Mangel an Selbigen kann man sich nun wirklich nicht beschweren….

Natürlich gibt es sie, die völlig untalentierten Groschenromanschreiberlinge, es gab sie immer, es wird sie immer geben. Das kann nicht der Grund dafür sein, Manuskripte nur noch mit der Kneifzange anzufassen. Der Selfpublishing-Markt kann auch eine Möglichkeit für Verlage sein, neue Autoren zu entdecken: Vorbei die Zeit der unverlangten Manuskripte-lesen Sie den Klappentext, die Leseprobe und schon wissen sie, ob die Autoren ins Verlagsprogramm passen. Bieten Sie den Autoren etwas, statt sich nur als die zickige, unerreichbare Prinzessin zu stilisieren. Verlage brauchen Autoren, Autoren brauchen Verlage,Prinzessinnen ihre Prinzen,  so einfach ist das. Eine partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe-das wollen Autoren, nicht mehr und nicht weniger.

Wie war das bei mir?  Ich  dachte mal, Selfpublishing ist nur was für schreibende Hausfrauen-erfolgreich, aber trashig. Und wie an jedem Vorurteil ist auch an diesem viel Wahres dran.  Ich hatte gehofft, nicht  vorwiegend Fantasy, Chicklit, Liebesromane oder Thriller als Kategorien bei SP-Büchern vorzufinden.Doch so war es…. Ich wollte meinen Roman nach Fertigstellung an möglichst viele Verlage schicken. Ich habe es gelassen, weil ich nicht auf etwas  Unwahrscheinliches warten kann und will. Vielleicht entdecken Verlage  lieber selbst. Und ich kann ja  erst einmal selbst alles versuchen. Dabei lerne ich und verschwende meine wertvolle Lebenszeit nicht mit warten, sondern kann schreiben. Meine Gedichte habe ich an verschiedene Lyrikverlage geschickt und bekam nach langer, langer Zeit sehr freundliche Absagen, die mir immer wieder versicherten, dass es nicht an mir läge, nur an der fehlenden Vermarktbarkeit von Gedichten. Fehlenden Kapazitäten. Sie bräuchten jetzt mal Zeit für sich. Und für andere Poet/innen, die dann-wie nur?!-verlegt wurden. Man soll es ja immer wieder versuchen. Nur warum? Sollte man nicht eher das Schreiben immer wieder versuchen? Geht es nicht darum?

Ich sehe mich nicht als Selfpublisherin, sondern als Schriftstellerin. Für mich ist es eine Möglichkeit, mehr nicht. Ich schließe nichts aus, habe nur eine weitere Option.

 

 

 

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Später vielleicht….

Später vielleicht….

Liebe Autorenanfänger, Künstler, Musiker, Menschen,

Kennt ihr das, wenn ihr etwas geschrieben oder gemalt habt, aber es euren eigenen, hohen Ansprüchen nicht genügt?

Wenn ihr von überkritischen Mitmenschen auf die Qualität hingewiesen werdet, ohne die es nicht geht?

Ihr könnt ganz viel-doch ohne die „Quali“ geht es nicht?

Und ihr denkt euch, wenn ich erst…ja, wenn. Wenn ich erst professionell bin. Wenn ich fertig bin. Wenn ich ein so richtig fertiger Mensch bin und nicht so ein chaotisches Experiment, dann, ja dann. Dann lebe ich. Doch bis dahin bleibt nur Scham.

Ich weiß nicht, ob es eine typisch deutsche Eigenschaft ist, vermute es aber-dieser Drang nach Perfektion. Der erhobene Zeigefinger, der Stock im Arsch-das wirkt nicht nur unsexy, das wirkt auch unzugänglich. Und als Künstler möchte man das doch sein-zugänglich. Ich mag Künstler, die ihre Menschlichkeit, ihre Zerrissenheit, ihre Unordnung nach draußen tragen, sie in Kunst verwandeln. Und mir gehen Menschen unheimlich auf die Nerven, die sich und anderen Angst machen: Vor dem Scheitern, vor dem kleinsten Fehler, vor der eigenen Schwäche. All das werden sie sowieso nicht vermeiden können. Uns Menschen zeichnet doch gerade die mangelnde Qualität aus. Wir sind nicht perfekt und gerade das Streben nach Perfektion macht uns zu Menschen. Wir werden sie nie erreichen, doch als Ziel ist sie wunderbar. Wenn ich einen Text schreibe, will ich, dass er berührt. Doch das schaffe ich nicht mit dem krampfhaften Vermeiden jedes Fehlers. Ich habe das Gefühl, in Deutschland stapelt man gerne tief und will gleichzeitig alles glatt und unangreifbar haben. Etwas Großes, Aussagekräftiges, Ausdrucksvolles, Gewagtes ist immer zu verachten, lieber nett und langweilig. Lieber bleibt man unter den eigenen Möglichkeiten, als etwas zu riskieren. Man könnte sich ja blamieren.

Nach einem Konzert unterhielt ich mich mit den Musikern. Das schreiben, singen, musizieren sei kein Problem sagten sie. Aber sich selbst zu vermarkten-das wäre schwer bis unmöglich. „Wir können uns nicht gut verkaufen“ sagten sie. Und ohne dieses Talent, ohne Hochglanz-Videos in HD-Qualität, perfekt produzierte Musik, ständige Social-Media-Präsenz ginge es halt nicht. Dann bliebe Musik nur ein Hobby.

„Wer bin ich denn, dass irgendjemand sich für meine Gedanken interessiert“ ist auch ein beliebtes Argument in Schriftsteller-Kreisen. Man muss immer jemand sein. Einen Titel haben, eine Autorität sein, oder einer nachlaufen.

Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt für eine Beziehung-auch diesen Satz habe ich von Freunden immer wieder gehört. Erst muss man doch mit sich im Reinen sein. Glatt genug für das Häuschen im Grünen und eine „erwachsene Beziehung.“

Oft habe ich nach solchen Ausführungen genickt und geschwiegen. Jetzt habe ich darauf keine Lust mehr. Weil ich diese Lebenseinstellung für Schwachsinn halte. Perfektionismus lähmt, das denke ich. Er hält uns vom leben ab, vom lernen, das uns besser machen kann. Wir sollten uns öfter etwas trauen und damit rechnen, dass auch mal was schiefgeht. Wenn ihr schlechte Kritiken bekommt: Lernt daraus. Lernt Genörgel von konstruktiver Kritik zu unterscheiden, arbeitet an euch, werdet besser. Als Autoren und Künstler sind wir in einem ständigen Lernprozess. Wir werden nie ganz fertig sein. Doch wir sollten lernen, Spaß am Lernen zu haben. Unsere Leser und Fans nicht als stille Bewunderer oder „Hater“ sehen, sondern sie hereinlassen, in eine Welt die wir erschaffen haben, die es so nicht noch einmal gibt. Und darauf können wir auch mal stolz sein.